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Wissen ist wertvoll – auch in der beruflichen Vorsorge

Wie lässt sich die 2. Säule zukunftsfähig gestalten? Über diese Frage wird intensiv diskutiert. Gleichwohl ist vielen Menschen nicht klar, welch wichtige Rolle die berufliche Vorsorge für die persönliche ­Altersvorsorge spielt. Die aktuelle Studie aus der Reihe «Fairplay in der beruflichen Vorsorge» zeigt auf, welche Konsequenzen das fehlende Verständnis hat – die Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit beim Alterseinkommen wird grösser. Das bedeutet für Arbeitgeber: Sie stehen in der Verantwortung, ihre Mitarbeitenden zu diesem Thema aufzuklären.

Die Leistungen aus der 2. Säule sind für die meisten Menschen der wichtigste Baustein ihres Alterseinkommens. Doch die berufliche Vorsorge gerät zunehmend unter Druck und es gibt immer wieder Vorstösse für Reformen. Deshalb beschäftigt sich die Studienreihe «Fairplay in der beruflichen Vorsorge» seit 2021 mit dem Wissen und den Einstellungen der Bevölkerung zu diesem wichtigen Thema. Das Forschungsinstitut Sotomo hat im Auftrag der Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG und der Vita Sammelstiftungen zum dritten Mal eine repräsentative Umfrage durchgeführt: Mehr als 1 800 Personen zwischen 18 und 79 Jahren wurden im Januar 2023 befragt – mit spannenden Ergebnissen.

Erwerbspersonen denken wie Rentenbeziehende

Obwohl die berufliche Vorsorge für das Einkommen nach der Pensionierung enorm wichtig ist, haben viele Schweizerinnen und Schweizer nach wie vor nur wenig Bezug zu ihrem Ersparten in der 2. Säule. Die neueste Ausgabe der «Fairplay»-Studie zeigt deutlich, wie stark der gesetzliche Umwandlungssatz zum Sinnbild für die Rentenhöhe in der 2. Säule geworden ist: 2 von 5 (39 Prozent) der Erwerbstätigen sind der Ansicht, vor allem der Umwandlungssatz sei für die Höhe ihrer späteren Rente ausschlaggebend. Nur 1 von 5 Befragten findet, dass vor allem die Höhe des Sparguthabens entscheidend sei. Für die übrigen ist beides gleichermassen relevant. «Vielen Befragten ist also die jährliche Auszahlungsrate der Rente wichtiger als das Aufbauen von Vorsorgekapital: Statt um die Vergrösserung des Kuchens geht es ihnen um die Vergrösserung der pro Jahr verteilten Kuchenstücke», lautet das Urteil von Michael Hermann, Geschäftsführer beim Forschungsinstitut Sotomo. Ob der Kuchen Keks- oder Tortengrösse hat, spielt jedoch in der Diskussion kaum eine Rolle. Selbst jüngere Befragte denken hier eher wie Rentenbeziehende als wie Sparende.

Nur ein Drittel weiss von der ­Umverteilung

Deshalb gibt es auch keinen Aufschrei, obwohl momentan wegen der zu hohen Umwandlungssätze ein beträchtlicher Anteil der Vorsorgeerträge von Erwerbstätigen zu Rentenbeziehenden umverteilt wird. Betrachtet man alle Befragten, ist die Skepsis gegen diese systemfremde Umverteilung im Vergleich zu den Vorjahren gesunken: Trotz anhaltender Debatte über die Rentenreform gibt nur ein Drittel an, über die Umverteilung gut informiert zu sein. Wurden die Befragten darüber informiert, schätzte bislang rund die Hälfte von ihnen diese Umverteilung als unfair ein. Bei der aktuellen Umfrage sind es nur noch 43 Prozent. Erstmals hat also nur noch eine Minderheit grundsätzliche Probleme mit der Umverteilung von den Erwerbstätigen zu den Rentnerinnen und Rentnern. Dabei verstösst diese gegen das Kernprinzip der 2. Säule, dass jede Person für die eigene Rente spart. «Dies passt zum generellen Trend: Ob bei staatlichen Coronafinanzhilfen oder bei Eingriffen im Finanzplatz – der Staat wird vermehrt als Institution gesehen, die alles finanziell absichern kann», kommentiert Michael Hermann.